Die DGB Hochschulgruppe an der Uni Tübingen hat in einer Broschüre die wichtigsten Informationen zu den Rechten zusammengestellt, die alle HiWis haben, die sie aber viel zu selten einfordern, weil sie sie nicht kennen. Vielan Dank für die Arbeit und die freundliche Unterstützung!

Studentische Hilfskräfte und ihre Rechte

„Krass, ich habe Recht auf Urlaub?“
Was sonst jede Arbeitnehmerin für selbstverständlich erachtet – Anspruch auf Urlaub zu haben –, kommt Studierenden, die an einem Lehrstuhl oder Forschungsinstitut als studentische Hilfskräfte arbeiten, komisch vor. Verwundert reagiert die lokale studentische Presse und noch verwunderter
reagieren die Betroffenen, wenn sie davon erfahren. Oft gilt als Selbstverständlichkeit, dass Urlaubs- und Krankheitszeiten nachgearbeitet werden müssen. Oft ist nicht bekannt, wo Auskunft zu all den Fragen eingeholt werden kann. Dabei sind studentische Hilfskräfte nicht rechtlos, sie sind ganz normale Beschäftigte und haben somit auch Arbeitnehmerrechte. Die gewerkschaftlichen Hochschulgruppen haben bei ihrer arbeits- und sozialrechtlichen Beratungspraxis die Erfahrung gemacht, dass der Informationsstand über diese Rechte sehr gering ist. Aber selbst wenn man Bescheid weiß, sind Lehrkräfte für die „HiWis“ gleichzeitig Prüfende und Arbeitgeber/innen. Das macht die Einforderung der eigenen Rechte nicht einfacher.

Was ist eine studentische Hilfskraft?

Wer soll zu einer Verbesserung beitragen, wenn nicht die Gewerkschaften? So ist bei einem Vernetzungstreffen der DGB Hochschulgruppe die Idee zu dieser Broschüre entstanden. Sie soll den „HiWis“ eine Handhabe zur Einforderung ihrer Rechte geben. Dabei gilt das Prinzip: Eigene Bedürfnisse und die rechtliche Lage ruhig und transparent ansprechen, und zunächst eine einvernehmliche Lösung suchen. Der § 57 des Landeshochschulgesetzes Baden-Württemberg definiert den Begriff „studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte“ und ihr Arbeitsgebiet. Wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte üben Hilfstätigkeiten für Forschung und Lehre aus und unterstützen Studierende in Tutorien. Wissenschaftliche Hilfskräfte haben mindestens einen ersten Hochschulabschluss. Studentische Hilfskräfte haben noch keinen Hochschulabschluss.
Das heißt: Die Tätigkeiten der studentischen Hilfskraft müssen einen Bezug zur wissenschaftlichen Arbeit – ob nun Forschung oder Lehre – haben. Auch Verwaltungsaufgaben müssen im Zusammenhang mit Forschung oder Lehre stehen allerdings nur in ganz engem Rahmen: eine Sekretariatsstelle darf z.B. nicht aus Kostengründen mit einer studentischen Hilfskraft
besetzt werden. Lehrveranstaltungen, die nach Studien- und Prüfungsordnungen obligatorisch sind, dürfen von Hilfskräften (z. B. studentischen Tutorinnen) nicht selbstständig durchgeführt werden;
eine Mitwirkung daran ist jedoch möglich.
Reine Verwaltungstätigkeiten, wie die technische Aufbereitung vorgegebener Informationen, Web-Administration, Sekretariatstätigkeiten oder Bibliotheksaufsicht sind keine wissenschaftlichen
Dienstleistungen wie das Bundesarbeitsgericht (BAG 08.06.2005) entschied. Wem solche Verwaltungstätigkeiten übertragen wurden, hat als Gewerkschaftsmitglied einen rechtlichen Anspruch auf Vergütung nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L). Die Bezahlung nach Tarifvertrag kann man als Gewerkschaftsmitglied bis zu sechs Monate nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit Unterstützung der Gewerkschaft einklagen. Auch der Personalrat
kann gegen die rechtswidrige Übertragung von Aufgaben an studentische
Hilfskräfte, die gegen das Landeshochschulgesetz verstoßen, vorgehen und
die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen einfordern.

Was ist ein Arbeitsvertrag?

Der Arbeitsvertrag regelt wichtige Arbeitsbedingungen und begründet Rechte und Pflichten von Arbeitnehmer/innen und Arbeitgeber/innen in einem Arbeitsverhältnis. Wichtigste Pflichten sind die Pflicht zur Arbeitsleistung (Arbeitnehmer/innen) und die Pflicht zur Entgeltzahlung (Arbeitgeber/Innen). Ein Arbeitsverhältnis unterscheidet sich von sonstigen Dienstverhältnissen dadurch, dass Arbeitnehmer/innen persönlich vom Arbeitgeber abhängig sind. Das bedeutet, dass Arbeitgeber/innen Inhalt, Durchführung, Zeit, Dauer und Ort der Tätigkeit wesentlich bestimmen, die Arbeitnehmer/innen also weisungsabhängig und in die Arbeitsorganisation der Dienststelle / des Betriebs eingegliedert sind.
Der Arbeitsvertrag ist die Grundlage für alle Arbeitsverhältnisse. Bevor du einen Arbeitsvertrag unterzeichnest prüfe ihn gründlich und am besten mit Hilfe der zuständigen Gewerkschaft, dann bist du vor bösen Überraschungen sicher. Die DGB-Hochschulgruppe stellt gerne einen Kontakt zu den Gewerkschaften her.

Vertrag – Befristung – Kündigung

Worauf ist beim Arbeitsvertrag zu achten?
Der Arbeitsvertrag wird in der Regel mit der Leitung des beschäftigenden Instituts geschlossen. Einstellende Person ist jedoch in jedem Falle die Zentrale Verwaltung der Hochschule, auch bei Drittmittelprojekten. Es handelt sich um einen genormten Arbeitsvertrag, wie er im Handbuch der Verwaltung eingesehen werden kann. Die Vergütung richtet sich nach den Vorgaben des Finanzministeriums. Sollte dein/e Chef/in dir keinen schriftlichen Vertrag zugestehen, wende dich
bitte an den Personalrat. Vergiss nie, dass du den Kürzeren ziehst, wenn beim Streit um Lohn oder plötzliche Kündigung kein schriftlicher Vertrag vorliegt. Sollte dein Arbeitsverhältnis auf einen
bestimmten Zeitraum befristet sein, ist besondere Aufmerksamkeit gefragt. Die Befristung muss bei Beginn des Arbeitsverhältnisses schriftlich vereinbart sein, sonst ist sie nicht gültig. Dafür reicht auch, dass der Zweck und Umfang der Arbeitsleistung vereinbart ist, wenn sich aus diesem die Befristung unzweifelhaft ergibt.
Eine Befristung des Arbeitsverhältnisses bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Beschäftigten den Studierendenstatus in der Sozialversicherung verlieren und der/die Arbeitgeber/in folglich die vollen Sozialversicherungsbeiträge für sie entrichten muss, ist nicht zulässig. Wenn du dir unsicher bist, ob der Arbeitsvertrag okay ist oder ob du sonst fair behandelt wirst, wende dich an den Personalrat oder die zuständige Gewerkschaft vor Ort. Dort kann man dir auch Auskunft über eventuell anzuwendende Tarifverträge, Dienstvereinbarungen und Schutzbestimmungen für deinen Arbeitsplatz geben.
Eine Beschäftigung als Hilfskraft ist bis zu sechs Jahren möglich (Wissenschaftszeitvertragsgesetz und Landeshochschulgesetz). Voraussetzung ist die Immatrikulation an einer deutschen Hochschule. Eine Beschäftigung als „HiWi“ ist auch bei Immatrikulation in einem Zweitstudium nach erfolgtem Hochschulabschluss möglich. Zu deiner eigenen Sicherheit solltest du die Arbeit erst beginnen, wenn du einen schriftlichen Arbeitsvertrag hast, (u. a. um Versicherungsschutz zu gewährleisten). Nach der Exmatrikulation kannst du nicht mehr als „HiWi“ eingestellt werden, wie das Bundesarbeitsgericht mit Urteil vom 18.9.2008 (2 AZR 976/06) entschieden hat. Das Arbeitsverhältnis ist üblicherweise auf drei bis sechs Monate befristet und endet am im Vertrag benannten Tag ohne Kündigung. Das Recht zur außerordentlichen Kündigung besteht dennoch (§ 626 BGB). Es dürfen nur die vertraglich vereinbarten Stunden gearbeitet werden und keine Überstunden! Ist Mehrarbeit nötig, müssen ggf. weitere Verträge abgeschlossen werden. Schließlich muss man sich auch als studentische Hilfskraft hauptsächlich dem Studium widmen und nicht
unbezahlte Überstunden leisten. Die „HiWi“-Befristungen verringern
nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz nicht die Möglichkeiten von befristeten Beschäftigungen nach Abschluss deines Studiums.

Was ist bei Krankheit zu beachten?

Alle Beschäftigten haben im Krankheitsfall Anspruch auf hundertprozentige Lohnzahlungen. Das gilt selbst bei Nebenjobs mit variierenden Wochenarbeitszeiten, in denen man mehr oder weniger kurzfristig für einen „Dienst“ eingesetzt wird: Ist dein Einsatz vereinbart und du wirst kurzfristig krank, bekommst du trotzdem vollen Lohn. Bei längerer Krankheit ist der durchschnittliche Verdienst ausschlaggebend.
Diese Regelung aus dem so genannten „Entgeltfortzahlungsgesetz“ des Bundes, greift vier Wochen nach Beginn des Arbeitsverhältnisses und gilt zum Beispiel auch für ärztlich verordnete Kuren. Bei kurzen aneinanderliegenden befristeten Arbeitsverhältnissen beim selben Arbeitgeber wird ausnahmsweise von einem einheitlichen Arbeitsverhältnis ausgegangen, die 4-Wochenfrist gilt dann nur einmal.
Voraussetzung ist natürlich eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die dem/der Arbeitgeber/in ab dem dritten Tag der Krankheit vorgelegt wird. Die Lohnfortzahlung gibt es nicht
ohne Grund. Wer krank ist, würde nicht nur unverschuldet weniger verdienen, sondern viele Arbeitnehmer würden aus Angst um ihren Verdienst krank zur Arbeit gehen – was noch kranker macht. Und so toll ist kein Stundenlohn, dass man ihm die Gesundheit opfern muss. Also: Nimm die Lohnfortzahlung in Anspruch.

Wie viel Urlaub steht uns zu?

Wer länger ans Bett gefesselt ist erhält für sechs Wochen den vollen Lohn durch den/die Arbeitgeber/in. Danach springt die Krankenkasse in der Regel mit Krankengeld in Höhe von 70 Prozent des üblichen Lohnes ein. Allerdings haben Studierende keinen Anspruch auf Krankengeld! Ausnahme: Wer wegen dauerhafter Überschreitung der 20- Wochenstundengrenze nicht von der
Sozialversicherungspflicht befreit ist, bekommt auch Krankengeld, ebenso – aber mit Einschränkungen – wer freiwillig versichert ist.
Die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers gibt es nur einmal pro Krankheit, auch wenn du zwischendurch arbeitsfähig warst und nun erneut wegen derselben Sache krank geschrieben bist (z.B. weil es einen Rückfall gab). Wenn mehrere Krankheiten gleichzeitig oder nacheinander auftreten, endet die Lohnfortzahlung auch nach sechs Wochen, es sei denn, man war zwischendurch gesund. Krankschreibungen, auch wenn sie häufiger auftreten oder länger andauern, sind kein zulässiger Kündigungsgrund.
Die durch Krankheit verursachten Fehlstunden müssen nicht nachgearbeitet werden. Mutterschutz
Für die Zeit des Mutterschutzes wird ebenfalls ein Lohnersatz gezahlt (Mutterschaftsgeld), auch gilt ein besonderer Kündigungsschutz.
Alle Beschäftigten müssen sich zwischenzeitlich auch einmal erholen. Darum garantiert das Bundesurlaubsgesetz allen Arbeitnehmern, Auszubildenden und arbeitnehmerähnlich Beschäftigten vier Wochen bezahlten Urlaub pro Jahr. Der genaue gesetzliche Mindesturlaubsanspruch beträgt 24 Werktage pro Jahr (bei einer Sechs-Tage-Woche). Das bedeutet, dass alle Beschäftigten 4 Wochen bezahlten Urlaub im Jahr haben. Arbeitest du regelmäßig nur 3 Tage in der Woche, stehen dir 12 Urlaubstage im Jahr zu. Dein individueller Urlaubsanspruch kann höher sein, wenn ein Tarifvertrag (bei „unechten“ HiWis z.B der TV-L), eine Dienstvereinbarung oder ein Arbeitsvertrag das
festlegen. Nur niedriger geht nicht!
Der volle Urlaubsanspruch besteht erst, wenn das Arbeitsverhältnis schon sechs Monate andauert (§4 Bundesurlaubsgesetz). Bei Beschäftigungsverhältnissen, die höchstens 6 Monate andauern, wird pro Arbeitsmonat ein Zwölftel des Jahresurlaubs gewährt (§5 Bundesurlaubsgesetz). Nach mehr als sechs Monaten durchgehender Beschäftigung besteht auch dann der volle Jahresurlaubsanspruch, wenn der Job erst im Laufe des Jahres aufgenommen wurde.
Urlaub kann nur in Absprache mit dem Arbeitgeber genommen werden. Er darf ihn aber nur aus wichtigen Gründen verweigern. Während des Urlaubs wird dein Lohn natürlich weiter gezahlt (als so genanntes Urlaubsentgelt). Wenn du nicht jede Woche dieselbe Stundenzahl arbeitest, wird in der Regel das durchschnittliche Einkommen der letzten 13 Wochen vor Urlaubsantritt während der Urlaubszeit weitergezahlt. Hierzu gibt es eine detaillierte Rechtsprechung.
Wenn du während des Urlaubes krank wirst, werden die Tage der Krankheit nicht auf deinen Urlaubsanspruch angerechnet, d.h. bei Abgabe der ärztlichen Bescheinigung müssen die Urlaubstage für den Zeitraum der Krankheit wieder gutgeschrieben werden. Da du dich im Urlaub erholen sollst darfst du während des Urlaubs natürlich nicht ohne Einverständnis deines
Arbeitgebers einer anderen Erwerbsarbeit nachgehen.
Ein gesetzlicher Anspruch auf bis zu zehn Tage unbezahlten Urlaub besteht ab 01.07.2008 im Falle einer unerwartet auftretenden Pflegebedürftigkeit von nahen Angehörigen (ggf. ärztliche Bescheinigung vorlegen). Die Zeit soll für die häusliche Pflege genutzt werden – und für die Organisation einer Unterbringung in geeigneten Pflegeeinrichtungen. Auch bei Erkrankung
der eigenen Kinder gibt es Freistellungsansprüche. Die Stunden müssen nicht vor- oder
nachgearbeitet werden.

Anrechnung von Feiertagen

Berufstätige haben an einem gesetzlichen Feiertag Anspruch auf Lohnzahlungen, ohne dass sie arbeiten müssen. Aber natürlich nur, wenn sie üblicherweise an dem Wochentag arbeiten, auf den der Feiertag fällt.

Unfallversicherung

Während der Arbeitszeit und auf dem direkten Arbeitsweg sind Beschäftigte über den/die Arbeitgeber/in unfallversichert. Unfälle sind anzuzeigen. Für alle Tätigkeiten, die direkt mit dem
Studium im Zusammenhang stehen, sind Studierende über die Hochschule versichert. Die meisten Studentenwerke haben darüber hinaus auch eine Unfallversicherung für die Freizeit abgeschlossen.

Welcher Lohn steht uns zu?

In der Regel sollte dein Stundenlohn nicht höher oder niedriger sein als der Lohn deiner Kolleginnen und Kollegen, die dieselbe Arbeit verrichten. Nur in Ausnahmefällen dürfen Unterschiede bestehen – die Dienststelle muss sie aber sehr gut begründen können. Unzulässig ist es jedenfalls, studentischen Beschäftigten, den vom Ministerium festgesetzten Lohn vorzuenthalten.
Der vertraglich vereinbarte Lohn ist natürlich der Bruttolohn. Je nachdem, welche Art von Beschäftigungsverhältnis du eingehst, werden davon womöglich Steuern und Sozialversicherungsabgaben abgezogen. Übrig bleibt der Nettolohn, der auf dein Konto fließt. Auch daran musst du denken, wenn du deinen Lohn aushandelst.

Vergütungssätze

Studentische Hilfskräfte bekommen ab dem Sommersemester 2012 einen Stundenlohn von 8,67 € an Hochschulen.

Ein Problem ist, dass diese Zahlen Höchstsätze darstellen, von denen die Hochschulen jederzeit und ohne Begründung nach unten abweichen können. Nach heftigen Protesten von Seiten der Gewerkschaften konnten die seit 1993 andauernden Nullrunden gestoppt, Absenkungen (Folge der einseitigen Arbeitszeitverlängerungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst auf 41 Stunden) rückgängig gemacht werden und die Vergütungssätze erhöht werden. Allerdings, Erhöhungen der Sätze müssen die Hochschulen aus ihren eigenen Budgets zahlen, vom Land bekommen sie
nichts dazu.
Gewerkschaften beraten ihre Mitglieder steuerrechtlich fachlich und kostenlos.

Exkurs: Wie entstehen die Vergütungssätze?

Die Vergütungssätze werden, im Gegensatz zu den geltenden Tarifverträgen, einseitig per Richtlinie durch die Arbeitgeberseite (TdL – Tarifgemeinschaft deutscher Länder bzw. die Finanzminister der Länder) festgelegt. Bis in das Jahr 2009 gab es mehrere Versuche sowohl von Seiten der studentischen Beschäftigten als auch der Gewerkschaften, Belange von studentischen Beschäftigten zum Gegenstand tariflicher Verhandlungen zu machen. 2009 konnten die Gewerkschaften ein erstes Ergebnis erringen, für das es sich jetzt einzusetzen gilt. Vereinbart wurden Tarifgespräche zur Einbeziehung von studentischen Beschäftigten, wissenschaftlichen Hilfskräften sowie künstlerischen Lehrkräften an Kunst- und Musikhochschulen in den TV-L. Ob die Gewerkschaften hier Verbesserung durchsetzen werden, hängt nicht zuletzt davon ab, wie gut Studierende in Gewerkschaften organisiert sind und wie stark sie innerhalb der Organisation dieser Forderung Nachdruck verleihen werden.
Also: organisiert euch in Gewerkschaften und tretet für die Aufnahme der studentischen Hilfskräfte in die Tarifverträge ein! Im Stadtstaat Berlin kam es nach „Tutorenstreiks“ bereits im Jahre 1980 zu einer Einigung. Studentische Beschäftigte an Berliner Hochschulen genießen seitdem Vergütungssätze von knapp 11 € je Stunde und weitere tarifliche Leistungen.

Was ist ein Tarifvertrag?

Die gesetzlichen Regelungen zu Urlaub, Krankheit, Rente etc. gelten für alle bei einem Arbeitgeber Beschäftigten, also auch für Studierende mit außertariflichem Arbeitsverhältnis. Daneben kann es aber weitere Regelungen, zum Beispiel über Lohnhöhe, die Ansprüche auf zusätzlichen Urlaub oder
zusätzliche Zahlungen geben, die für eine bestimmte Gruppe von Beschäftigten gelten. Solche Regelungen werden in Tarifverträgen getroffen. Tarifverträge werden zwischen Arbeitgeberverband und Gewerkschaft abgeschlossen. An einen Tarifvertrag sind nur Mitglieder des Arbeitgeberverbandes gebunden. Sie müssen ihn nicht auf alle Beschäftigten anwenden, gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf die Leistungen eines Tarifvertrages haben nur diejenigen Arbeitnehmer/innen, die Mitglied der Gewerkschaft sind. Um keinen Anreiz zum Gewerkschaftsbeitritt zu schaffen, wenden aber die meisten Arbeitgeber Tarifverträge auf alle Beschäftigten an. Meist enthalten Tarifverträge günstigere Regelungen als die per Bundesgesetz geregelten Mindestbestimmungen, zum Beispiel einen höheren Urlaubsanspruch oder eine geringere Wochenarbeitszeit.
Eigentlich gilt für einen Teil der studentischen Arbeitnehmer/innen ein Tarifvertrag. Alle studentischen Beschäftigten, die Aufgaben im technischen Bereich und in der Verwaltung verrichten, werden durch den Tarifvertrag der Länder erfasst. Das wird von vielen Hochschulen nicht beachtet und: wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter. Der Anspruch auf die tarifvertraglich zustehende Leistung muss eingeklagt werden, wenn die Hochschule ihn nicht zugesteht. Die Hemmschwelle ist hoch, denn viele haben Angst, dass eine Klage Auswirkungen auf ihre Studienergebnisse haben könnte. Im Zweifel: Rat bei der Gewerkschaft holen.

Verdienstobergrenzen und Sozialversicherung

Studierende kommen in den Genuss zahlreicher Vergünstigungen, wenn sie bestimmte Verdienstgrenzen einhalten. Zu ihrem BAföG können ledige, kinderlose Studierende 400 € pro
Monat des Bewilligungszeitraumes dazuverdienen (geringfügige Beschäftigung). Verdient man mehr, wird die Differenz auf den Bedarf beim BAföG angerechnet (§§ 21-23 BAföG). Beim Kindergeld, das höchstens bis zum Ende des 25. Lebensjahres gezahlt wird, gilt das Kalenderjahr als Bezugszeitraum. Seit 2012 entfällt die Einkommens- und Bezügegrenze, d. h. wenn ihr ein Erststudium absolviert, wird nicht mehr geprüft wie hoch euer Einkommen ist. Ab einem Verdienst
von mehr als 400 € pro Monat wird eine Nebentätigkeit sozialversicherungspflichtig. Zur Sozialversicherung zählen die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Jeder
Studierende muss krankenversichert sein. Man kann bis zum 25. Geburtstag, zuzüglich der Zeit für den gesetzlichen Wehr- und Wehrersatzdienst, über die Eltern familienversichert bleiben, wodurch keine Kosten anfallen.
Bei einer Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse über Ehepartner/ innen ist eine kostenlose Mitversicherung ohne Altersgrenze möglich. Verdient man mehr als 360 € pro Monat oder ist man älter als 24, muss man sich studentisch versichern. Ab dem 30. Geburtstag oder dem
Ende des 14. Fachsemesters muss man sich freiwillig in den gesetzlichen Krankenkassen versichern. Die Beiträge sind seit 2009 für alle Krankenkassen einheitlich und ziemlich hoch.
Es gibt jedoch einen Übergangstarif für Studierende in der Studienabschlussphase.
Die Rentenversicherung ist die einzige Sozialversicherung, in welche auch Studierende einkommensabhängig einzahlen. Bei geringfügiger Beschäftigung (bis 400 €) fallen keine Beiträge an, man kann sich jedoch freiwillig versichern. Im Allgemeinen werden 19,9 % des Bruttolohns in die Rentenkasse eingezahlt: Die Hälfte geht vom Bruttolohn der Arbeitnehmerin ab, die andere Hälfte wird von der Arbeitgeberin getragen. Für Einkünfte zwischen 400 € und 800 € gilt die sogenannte „Gleitzone“: Rentenbeiträge sind auch für studentische Hilfskräfte fällig, werden jedoch nach einer bestimmten Formel berechnet und sind geringer.
Von Zahlungen in die Arbeitslosenversicherung sind Studierende befreit, wenn sie weniger als 20 Stunden pro Woche arbeiten und so ihren Studierendenstatus beibehalten. Sie erwerben allerdings auch keine Ansprüche.

Fordere ein Arbeitszeugnis ein!

Wenn dein Arbeitsverhältnis endet, hast du nach § 630 des BGB Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Es soll Auskunft über deine Tätigkeit im Betrieb geben und kann als Empfehlung für den nächsten Arbeitgeber gesehen werden. Es ist spätestens zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses von deinem ehemaligen Arbeitgeber auszuhändigen. Geschrieben werden muss es von einer Führungsperson, meistens vom Personalverantwortlichen.
Ein Arbeitszeugnis hat ähnlich einem Schulzeugnis den Charakter eines offiziellen Dokuments. Deswegen ist es wichtig, dass Inhalt, Form und Formulierungen korrekt und positiv sind, damit kein falscher Eindruck bei der nächsten Bewerbung entsteht. Hast du Bedenken wegen deines Arbeitszeugnisses, hast du die Möglichkeit es bei deiner Gewerkschaft vor Ort prüfen zu lassen und gegebenenfalls eine Korrektur einzufordern.

Personalrat

Bei Schwierigkeiten am Arbeitsplatz ist der Personalrat eine wichtige Anlaufstelle. Dieser wird von allen Beschäftigten des Betriebs gewählt und hat gesetzlich verankerte Mitbestimmungsrechte. Die Personalräte können kompetent Auskunft erteilen und die Interessen der Beschäftigten vor Ort
wirksam vertreten. Dort erhältst du auch Auskunft zu Tätigkeit, Entlohnung, Urlaubsansprüche etc.

Fordere deine Rechte ein! Wende dich an uns.

Alle geprüften und ungeprüften wissenschaftlichen Hilfskräfte an Hochschulen, die in Forschung und Lehre arbeiten, sind derzeit vom Tarifvertrag ausgenommen. Das betrifft diejenigen, die im Bereich Vorlesungsvorbereitung, Tutorien, Forschungsbeiträge, Versuchsassistent/innen etc. tätig sind. Für die Aufnahme dieser Beschäftigten setzen wir uns zusammen mit den Gewerkschaften ein.
Wir beraten Studierende, die erwerbstätig sind in allen Fragen rund um Job und Sozialversicherung. Wir sind Ansprechpartner in allen Fragen rund um die Arbeitswelt: Ob es nun um deine Rechte beim Jobben, das Praktikum oder Hinweise zu Stipendien bei der Hans-Böckler Stiftung geht. Dabei nutzen wir unsere Kontakte zu Personalräten, die kompetent in Sachen Arbeit sind und arbeiten mit den Gewerkschaften zusammen.

Weitere Informationen zu Job und Praktikum

Weitere Infos zu Arbeit und Praktikum findet ihr auf folgenden Seiten:

info@hib-reutlingen.de
www.hib-reutlingen.dgb.de

www.students-at-work.de

Dort gibt es in einem Forum auch kompetente Beratung bei arbeitsrechtlichen Fragen.